Indikationen für eine RSI-Einleitung

Ihr seid bestimmt genauso gespannt wie ich, was auf dem Weg in den Saal passiert ist, so dass Ihr euren bisherigen Plan umwerfen musstet.

Nachdem Ihr euch nett unterhalten habt und Ihr aufgrund eurer fachlichen Expertise einen möglichen flauen Magen nach der OP verhindert habt, stellt euch euer Date vor die nächste Hürde.

“Uah, ich hab heut mal wieder brutal Sodbrennen, ich glaub ich könnte Feuer spucken!”

Jetzt läuten alle Alarmglocken! Diesen Patienten könnt ihr nicht gewöhnlich Einleiten, sondern ihr müsst eine “RSI-Einleitung” durchführen. Synonyme hierfür sind:

  • Ileus Einleitung
  • Crash Intubation
  • Schnelle Einleitung
  • RSI: Rapid Sequence Induction

Wovor jeder Anästhesist Angst hat? Das ist die “Aspiration” oder auch die “Regurgitation” – praktisch bedeutet dies, dass der Inhalt des Magens nicht den gewöhnlichen Weg geht, sondern wieder nach oben kommt (in Richtung Speiseröhre). Diese Gefahr besteht hauptsächlich nach der Einleitung mit einem Muskelrelaxans und vor der Intubation. Jetzt ist man natürlich bemüht diese Zeit möglichst kurz zu halten, oder? Und wie schafft man das? Richtig! Mit einem anderen Muskelrelaxans. Verfolger meines Blogs haben vielleicht schon mal den Artikel “Tiefen Entspannt – oder doch nicht” oder “Succinylcholin – Der Feind des Intensivpatienten” gelesen und können sich schon vorstellen, welches Relaxanz wir nun verwenden werden.

Succinylcholin/ Rocuronium (in doppelter Dosis)

Verwendet man eines dieser Medikamente, so verkürzt sich der Wirkungseintritt deutlich. Wir können unser Date also früher intubieren und es ist so auch besser vor dem Eintreten von Mageninhalt in die Trachea geschützt.

Doch das alleine reicht natürlich noch nicht aus, um euer Gegenüber zu schützen

Solltet ihr bereits vorab wissen, dass Ihr eine RSI bei eurem Date durchführt, dann begrüßt es doch mit einem “Schnaps” namens “Natriumcitrat” (dieser Vorgang ist nicht in allen Häusern Standard). Die Gabe von Natriumcitrat ca. fünf Minuten vor Einleitung des Patienten bewirkt, dass der pH-Wert der Magensäure von 1,5 – 2 auf bis zu 5 steigt!
Und das bringt was? Ja! Sollte unser Date sich jetzt nach der Relaxierung doch zum Regurgitieren entscheiden, dann ist die Magensäure schon mal nicht mehr so sauer wie zuvor. Und der Schaden an der Lunge ist womöglich schon mal geringer. Klar oder? Je pH-neutraler eine Substanz ist, desto unschädlicher ist sie für unseren Organismus.

In Windeseile bist Du jetzt also noch einmal zurück in den Aufwachraum geflitzt, um einen Messbecher Natriumcitrat zu organisieren, bist im Kopf aber ganz wo anders.

Intubation mit Führungsstab

Ein Tubus sieht zwar immer sehr stabil und fest aus, aber wer schon einmal selbst Intubiert hat weiß: “Die Dinger sind irgendwie doch ganz schön biegsam.” Wie schon erwähnt wollen wir die Zeit zwischen Relaxierung und Intubation möglichst kurz halten. Das heißt für uns, dass wir den wabbeligen (Fritz das ist ein onomatopoetisches Wort und deswegen bleibts drin haha) Tubus ein bisschen mehr stabilisieren müssen. Und das funktioniert am besten mit einem Führungsstab.

Das Handling ist eigentlich ziemlich einfach, wenn man folgende Punkte beachtet:

  • Das Innen-Lumen des Tubus zuvor mit z.B. Xylocain befeuchten
  • Den Führungsstab einbringen, bis er mit dem Ende des Tubus abschließt
  • Den Stab an der Konnektionsseite des Tubus einknicken, um ihn zu fixieren
  • Eine 10 ml Blockerspritze an den Cuff ansetzen.

So, jetzt habt Ihr auch an alles gedacht. Das richtige Muskelrelaxanz, Natriumcitrat ist verabreicht und der Tubus ist vorbereitet. Nun liegt es an den jeweiligen Anästhesisten, ob er einen Trendelenburg Lagerung durchführt oder nicht.

Endlich kommt sie, die Einleitung !

Zügig spritzt Ihr nun ein Opiat, ein Sedativum und ein Relaxanz. Ihr intubiert den Patienten, überprüft die korrekte Lage des Tubus und …

.. – genau – und jetzt? Was jetzt kommt, nachdem euer Patient narkotisiert ist, erfahrt Ihr im nächsten Blog.

Euer @heavy 🙂

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2 Kommentare

Basti Weiser · 15/04/2019 um 11:36

Ich finde deine Blogs so super. Toll geschrieben, danke!! 🙂

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