Pflege ist mehr als ein Beruf. Pflege ist Berufung.

Ein Beruf mit Herz. Für den Menschen.

Die Pflege von Menschen ist meine Berufung.

Sätze wie diese kennen wir alle. Sie kommen in unserem Beruf häufig von Seiten der Politik, der Arbeitgeber und des Managements; aber vor allem entspringen sie uns selbst – den Pflegenden.
Doch warum schaden wir uns damit nur selbst? Und warum müssen wir so aufpassen, wenn es um Sprache geht?

‘Berufung’ versus Professionalität

Um über Berufung sprechen zu können, müssen wir zuerst verstehen, woher das Wort kommt und was es bedeutet.

Je nach Literatur kann man die Bedeutung des Terminus in verschiedene Bereiche einteilen. Neben der rechtlichen Berufung gegen ein Urteil gibt es die Berufung in ein Amt (Lehrstuhl, Professur) und die religiöse Berufung (Lebensaufgabe). Fest steht: hinter Berufung steht immer eine Ideologie.

Im professionellen Kontext (der Pflege) sowie in der nachfolgenden Argumentation beziehen wir uns auf die amtliche und religiöse Berufung. Der früher sehr ausgeprägte, religiöse Einfluss in den Pflegeberuf zeigt über diesen Begriff noch bis heute seine Auswirkungen.
Waren damals noch Nächstenliebe, Selbstlosigkeit und Ehrenamt die repräsentativen Substantive für den Pflegeberuf, so hat sich das Verständnis von Beruf, Profession und Professionalität stark gewandelt.

‘Berufung’ schafft falsche Realität

Die Pflegekraft von heute spielt in der Gesundheitsversorgung des 21. Jhd. eine zentrale Rolle. Fachliche Expertise, individuelle, fachlich und sachliche Betreuung und Beratung sowie die menschliche Begegnung auf Augenhöhe sind nur einige moderne Arbeitsfelder der Pflegenden.

Wenn in der heutigen Zeit die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen noch immer ‘berufen’ wird, schafft dies ganz klar eine falsche Realität – für die Patienten, die ganze Gesellschaft und für die Pflegenden selbst.

Das gesamte Berufsfeld Pflege lässt sich weiter mit längst veralteten Begriffen definieren und macht dies häufig auch noch selbst. Zeit für ein Umdenken.

Wer wir sind, bestimmen nur wir

Es ist an uns, an den Pflegenden, die Profession Pflege zu definieren. Wir bestimmen für uns, aber auch für die Öffentlichkeit, Politik und die Gesellschaft, wer wir sind und wie wir gesehen werden wollen.

Lasst uns dabei bitte nie vergessen:
Sprache schafft Wirklichkeit. Wir können noch so viel denken – was wir sagen, das bleibt. Also steht auf, redet bewusst und überlegt über den Beruf und bildet Meinungen. Fühlt euch aufgerufen, liebe Pflegende, liebe Mitglieder und Verfolger, so über den modernen Pflegeberuf zu sprechen, wir ihr ihn verstanden haben wollt.

Auf eine professionelle und starke Zukunft für einen wunderbaren und sozialen Beruf.

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1 Kommentar

Tobias Limmer · 01/04/2019 um 13:28

Danke für diesen Beitrag!
Wenn wir Pflegende die Pflege als Profession verstanden haben wollen, dann ist Berufung definitiv nicht mehr zeitgemäß. Nicht weil es keine Menschlichkeit mehr in der Berufsausübung geben darf, sondern weil das Auftreten, das Verständnis als ‘Berufener’ ein ganz anderes ist, als das eines ‘Professionellen’. Die Berufung und das, was es mit unserem Kopf macht, baut automatisch Grenzen ab, führt zu mehr Nähe und verringert Distanz, lässt eher Duzen, weniger Siezen. Was darauf folgt, wissen wir alle.
In diesem Sinne: auf eine professionelle Pflege!

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